Durdle Door – Tor zum Glück

Cornwall Roadtrip
– enthält Werbung –

Jurassic Coast

Die meisten werden bei diesem Namen an Dinosaurier im Jurassic Park denken und diese kleine Eselsbrücke hilft, den wahren Hintergrund zu erkennen: Dieser Küstenstreifen in Devon ist als bedeutende Fundstätte für Fossilien bekannt. Dazu hat sich im Laufe der Jahrmillionen die Erde in erstaunlicher Weise gefaltet und gedreht und so kann man an manchem Abschnitt der Küste die Ablagerungen nicht übereinander als Schichten, sondern nebeneinander erleben.
Erstaunliche Strukturen zeugen von gigantischem Druck und lassen erahnen, was hier für Kräfte gewirkt haben:

So finden sich an diesem Küstenabschnitt außergewöhnliche Steinformationen, sehenswerte Höhlen und hunderte kleine Buchten, die man oft nur zu Fuß erreicht.
Und dann gibt es noch das Durdle Door, zu dem wir unbedingt wollten, um dort einmal mit den Kajaks zu touren.

Campingplatz

Offenbar ist die gesamte Region im Privatbesitz.
Einfach irgendwo anhalten und stehenbleiben, geschweige denn, zu übernachten, ist hier nicht möglich.
Wie eigentlich überall an der Küste. Und dementsprechend zahlt man für jeden Parkplatz auch einen ordentlichen Obulus. Fünf bis zehn Pfund ist man dann schon einmal los.
Egal ob in Lulworth am Hafen oder am Durdle Door Car Park.

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Tipp:

Um die Umgebung richtig zu genießen, fahren wir auf den Campingplatz und haben Glück, auch ohne Buchung beim Durdle Door Holiday Park unterzukommen. Das geht direkt auf dem Campingplatz, aber (wie wir erst später feststellen) auch auf den „Sea View Campervan Pitches“ – am besten konkret danach fragen.
Beide Plätze sind nicht günstig, aber die einzige Chance in der Region zu übernachten.

Und ganz wichtig: Solltet ihr mit dem Van oder Wohnmobil nach Lulworth auf den Hafenparkplatz fahren wollen, könnt ihr dann, als Campingplatz-Besucher, dort dann umsonst parken – vorher aber mit der Rezeption am Campingplatz abklären, damit der Parkplatzwächter am Hafen auch Bescheid weiß.
Auf diese Weise konnten wir unsere Kajaks mit dem Wohnmobil bis zum Hafen fahren!

Übrigens:
Einige Stellplätze sind extrem schräg.
Und wenn ich extrem sagen, dann meine ich extrem!
Wir mussten noch zwei dicke Wacker unter unsere Hubstützen legen, damit wir überhaupt annähernd gerade standen.
Gesund sieht das nicht aus. Auf alle Fälle lohnt es sich für ganz Cornwall, sehr hohe Keile mitzunehmen, denn wir mussten auch später fast überall ausgleichen.

Abenteuerlich, aber zumindest standen wir gerade!

Sowohl der Campingplatz, wie auch das kleine Fischerdorf haben einiges zu bieten und man sollte schon mehrere Tage einplanen, um das alles zu erleben und zu erlaufen.
Natürlich kommen viele Tagesbesucher nur an diesen Teil der Küste, um das spektakuläre Durdle Door zu sehen, aber es lohnt sich, länger zu bleiben.
Allein die Wanderungen in und um Lulworth haben viel zu bieten.

Mit dem Boot zum Durdle Door

Jetzt lohnt es sich, dass wir immer unsere Kajaks dabei haben.
Aber auch am Hafen werden Kajaks verliehen oder Bootstouren an der Küste und zum Durdle Door angeboten.

Das Meer kann recht ruppig sein, der kleine Hafen dagegen ist perfekt geschützt. Doch sollte man sich von den kleinen Wellen dort nicht einlullen lassen – draußen kann das ganz anders sein.
Doch auch auf dem Meer habe ich an diesem schönen Frühsommertag erstaunlicherweise kaum Wellen und nur mäßige Dünung. Dabei ist der Tiedenhub hier nicht zu verachten und man sollte sich unbedingt vorab informieren, wann die nächste Ebbe oder Flut einsetzt.

Kurz hinter der Hafenausfahrt finden sich dann schon die ersten Höhlen, in die man bei Ebbe einfahren kann – später bei höheren Wellen, werde ich Probleme bei der Ausfahrt aus der Höhle bekommen.
Also aufpassen!
Dazu später mehr.

Bei ruhiger See, kann man durch die Höhlen fahren

Ruhige See, etwa 12 Grad Wassertemperatur – ein Neopren- oder Trockenanzug sollte man dann schon anhaben. Natürlich ist es mir irgendwann viel zu warm und dann grübelt man und überlegt sich, warum man den Anzug an hat, da das Wetter sonnig, das Meer flach und die Wellen kaum zu spüren sind.
Aber das kann sich schnell ändern, wie ich noch merken werden.

Der Weg an der Küste entlang ist atemberaubend. Die aufgeschichteten Überbleibsel von Jahrmillionen, Felsen, Höhlen und hunderte Seevögel. Ich hoffe auf Delphine oder Robben – aber von denen lässt sich keiner blicken.
Und nach wenigen Kilometern kommt das berühmte Tor in Sicht.
Wie ein Kelpie, ein Pferd aus der Mythologie, steht der Fels im Wasser.
Von der Seeseite sieht das noch beeindruckender aus! 

Und je näher ich komme, desto mehr Details lassen sich erkennen.
So ist der Torbogen nicht halb so massiv, wie es den Anschein hat. Bei der Durchfahrt erkenne ich, dass an der schmalsten Stelle höchstens noch 2 Meter Fels sind, die den Torbogen ausmachen.

Mir ist das Wasser zu kalt, aber natürlich gehen einige Touristen ins Wasser.
Also sind es vielleicht doch nicht nur 12 Grad, sondern eher 16.
Hätte ich den Trockenanzug doch zuhause lassen können?
Ich fahre weiter an der Küste entlang. Das nächste Tor entsteht schon in Sichtweite – aber es wird noch einige Jahrtausende dauern, bis das so spektakulär wird, wie das Durdle Door.

Das Wasser liegt türkisblau vor mir und nach einigen Stunden mache ich mich auf den Heimweg.
Und so langsam merke ich, dass sich etwas verändert hat.
Die Flut kommt mit Macht und innerhalb kurzer Zeit bauen sich Wellen auf.
Alles noch kein Problem, aber die Brandung baut sich auf und wirft mein Kajak immer wieder hin und her, da ich so nah an der Küste fahre. Zu Beginn ist es eher ein Spaß. Ich bin fast wieder an den Höhlen, als es kritisch wird und unerfahren, wie ich in dieser Gegend bin, fahre ich noch einmal durch die Höhlen in Erwartung ruhigen Wassers im Becken dahinter.
Dem ist auch so, noch dazu steht nun viel mehr Wasser in diesen Becken, ich kann jetzt sogar mit dem langen Kajak Kreise fahren. Doch auch die Höhlendecke ist nun schon viel niedriger und wer weiß, wie hoch das Wasser noch steigt.

Ein Blick aufs Meer zeigt mir dann, dass es ein Fehler war.
Denn außerhalb sind die Wellen mittlerweile viel höher und die Decke der Höhle schon viel, viel tiefer und ich muss mich ranhalten, um durch die Höhle und dann in ruhigeres Wasser zu kommen.

Nein, es war nicht gefährlich. 
Aber es zeigte mir, wie schnell das Meer hier sein Wesen verändern kann. Und an der rauhen Küste kentern, ist sicher kein Spaß. Und wenn das passiert, ist es gut einen Trockenanzug oder Neo an zu haben und natürlich immer mit Rettungsweste zu fahren!
Der gut geschützte Hafen ist dann natürlich hoch willkommen.
Nadja war indessen nicht untätig und wanderte in der Umgebung.

Strandleben

Natürlich gehen wir auch an den Strand.
Der Abstieg vom Campingplatz gestaltet sich dann als echte Bergwanderung – denn der Campingplatz liegt hoch über dem Meer und manch Unbedarfter, der hier mit Gummischlappen läuft, holt sich Blasen.
Der Kiesstrand ist weitläufig und es lohnt sich eine Picknickdecke mitzunehmen und sich einfach an den Strand zu legen und den von den Wellen angeschwemmten Steinen zuzuhören.
Noch eine Flasche Wein dazu und dann bis zum Sonnenuntergang bleiben.
Wie herrlich!

Wie entstand das Durdle Door?
Die Durdle Door ist ein natürliches Felsentor an der Jurassic Coast. Sie entstand über Millionen von Jahren durch die Erosion von weichen Gesteinsschichten, die von härteren Schichten umgeben sind.

Ursprünglich bildeten die Gesteinsschichten der Jurassic Coast eine flache Platte. Im Laufe der Zeit begannen Meeresströmungen und Wellen, an den weicheren Gesteinsschichten zu arbeiten, insbesondere an einem Abschnitt aus Kalkstein und Mergel. Diese Schichten wurden im Laufe von Millionen von Jahren durch die Wirkung von Brandung, Salzwasser und Wettereinflüssen allmählich ausgehöhlt.

Da der Kalkstein und der Mergel unterschiedliche Härtegrade haben, begannen die weicheren Mergelschichten schneller zu erodieren als der härtere Kalkstein darüber. Dies führte dazu, dass eine natürliche Bogenform entstand, die schließlich das Felsentor der Durdle Door bildete.

Die Erosion setzte sich über Jahrtausende fort, wodurch das Felsentor weiter ausgebildet wurde.

Obwohl die Durdle Door eine robuste und beeindruckende Formation ist, ist sie immer noch durch Erosion gefährdet. Wellen, Wind und Wetter können weiterhin das weichere Gestein um das Felsentor herum erodieren und so die Struktur beeinträchtigen. Auch der Anstieg des Meeresspiegels aufgrund des Klimawandels könnte die Erosion beschleunigen und die Stabilität der Durdle Door beeinträchtigen.

Daher ist der Zugang auf das Durdle Door gesperrt. In früheren Jahren sprangen Mutige immer wieder von hoch oben ins Meer. Nicht nur gefährlich für die Springer, sondern auch für das Portal, denn die oberen Steine sind mittlerweile nur noch einen oder zwei Meter breit.

Unsere Reise geht weiter.
Das Durdle Door war der richtige Zeitpunkt, um ein wenig auszuspannen und den Alltag zu vergessen. Bis Cornwall ist es immer noch weit, aber wir genießen jeden Augenblick in England. Die Menschen sind liebenswert und freundlich, interessiert, wo wir herkommen und was wir tun und ganz besonders, wie wir über die Engländer und den Brexit denken. Das ist überall ein Thema.

Unsere Reise geht weiter. Im vierten Teil besuchen wir Lulworth Castle, den Giganten von Cerne und die Kathedrale von Exeter: Weiter zu Teil Vier 

Roadtrip Cornwall

Inhaltsverzeichnis

FAQ – Was ihr über Cornwall wissen müsst

Teil 01: Anreise Dover, Ankommen in Rye
Teil 02: Seven Sisters
Teil 03: Durdle Door 
Teil 04: On the way – Wunder überall
Teil 04: Im Dartmoor: Whitecomb in the Moor
Teil 06: Lanhydrock Castle
Teil 07: Eden Projekt
Teil 08: Lost Garden of Heligan
Teil 09: von Piratendörfern und weißen Stränden
Teil 10: Lands End meiden, besser Cape Cornwall wählen
Teil 11: Mont-Saint-Michel’s Bruder
Teil 12: Minack Theatre: Kultur mit Blick aufs Meer genießen
Teil 12: Mousehole & St. Agnus & St. Ives
Teil 14:  Die Ritter von Pendeen Castle 
Teil 15:  Traumland Wheal Costes
Teil 16: Trerice 
Teil 17: Tintangel: Zu Besuch bei König Artus
Teil 18: Bodmin Moor
Teil 19: Stonehenge – Salisbury Cathedrale
Teil 20: Ein Schloss, wie aus dem Bilderbuch – Arundel Castle
Teil 21: Fazit und Tipps

 

Jürgen Rode

Jürgen Rode

schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.

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3 Antworten

    1. Terminlich war Mitte Mai bis Mitte Juni in diesem Jahr perfekt – Im Juli und August hatten sie viel mehr Regen – aber das war ja überall so.

  1. Toller Blog, Danke! Ich fahre mit Hund im VW Bus von Niederösterreich aus. Mitte Mai bis Mitte Juni 2024. Fähre ist schon gebucht und ich freu mich schon riesig😋

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