Schneeberg Weihnachtsmarkt

Ihr müsst nach Schneeberg zum Anlichteln kommen, sagen uns Leser auf Instagram.
Und dann „müssen“ wir natürlich dahin. Und wir sind froh, dass wir hierher gefahren sind.
Was das „Lichteln“ bedeutet und warum wir in wenigen Stunden viel über die Dunkelheit auch im Herzen, die Bergmanns-, Hütten -, und Knappenschaften gelernt haben, dass erfahrt ihr heute.

Tour de Weihnachtsmarkt

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Stellplatz

Besser geht es kaum.
Fussläufig in 15 Minuten direkt auf dem Weihnachtsmarkt.
5 Euro und Ver- und Entsorgung

Strom für vier Wohnmobile nach Kw abgerechnet.

Es gibt aber weitere Stellplätze, sogar mit Brötchenservice

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Klein, aber fein.
So könnte man es überschreiben. Mehr Fressbuden, wie Handwerkskunst, dafür eine überaus nette Stimmung überall, die verschiedensten Heißgetränke und Läden am Rande, die um der Massen Herr zu werden, nur Einlass bieten können, wenn auch jemand hinaus geht.
Der Andrang auf dem Schneeberger Weinachtsmarkt wächst, je dunkler es wird.

Wir sind zum Anlichteln hier.
Klar, die Lampen werden eingeschaltet, aber wir Fremde, erfahren erst durch Einheimige, dass es in frühen Zeit dunkel war und eine einzelne Kerze nicht viel Licht brachte, aber wenn in allen Fenstern Licht erstrahlte, rund um den Marktplatz, in allen Häusern –  dann wurde es hell in den Herzen der Bewohner.
Und die Winter in Schneeberg waren lang und das Leben in den Gruben und Hütten hart.

Anlichteln

Feierlich wird am ersten Samstag um 18 Uhr die Beleuchtung eingeschaltet und dann geht der Weihnachtsmarkt eigentlich erst los.
Und es ist wirklich so. Vorher waren die Häuser rund um den Platz dunkel und tot.
Kaum brennt in jedem Fenster ein Schwippbogen, herrscht ein anderes Feeling.
Heimelig sehen die Häuser aus und der Glühwein schmeckt gleich noch mal so gut.

Wir kommen ins Gespräch mit dem Besitzer eines Alpaka Hofes, der immerhin 50 Alpakas sein Eigen nennt und der vom Glück erzählt. Vom Glück mit seinen Alpakas, die die Wolle für die Strümpfe und Handschuhe liefern, die er auf dem Weihnachtsmarkt verkauft.
Wobei uns die Eierbecher besonders gut gefallen haben.

Und dann ist da der Altar von Cranach, dem Älteren, der uns in seinen Bann zieht.
In der St.-Wolfgangs-Kirche auf dem Berg sind wir erst einmal vom Kirchenschiff und der hohen Decke beeindruckt, bis uns die Bilder über dem Altar ins Auge fallen.
Lucas Cranach wurde vom Kurfürst beauftragt, dieses Kunstwerk für Schneeberg zu schaffen.

Brauchtum

Und dann treffen wir einen Bergmann in Uniform. Natürlich haben wir keine Ahnung und sprechen ihn auf das Brauchtum hier in der Gegend an. 
Und dann erfahren wir, dass es nicht etwa nur ein Heimatverein ist, dass es eben nicht um gemeinsame Feiern geht oder Abends einen zu heben, sondern, dass hier ganz viel Herz im Spiel ist und die Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine deswegen auch von den Jungen Zulauf haben. Denn das liegt ihnen im Blut und so wollen sie die alten Traditionen ehren und bewahren.
Wir sind ziemlich beeindruckt, was uns da Ray Lätscher, der Vorsitzende des Sächsischen Landesverbandes für Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine erzählt. Und seine Bestimmtheit lässt keinen Zweifel daran, dass sie viel Spaß haben, viel Arbeit und ein Ehrenamt, dass ihnen aber auch wichtig ist.
Und so lädt er uns zum nächsten großen Bergparade ein, die immer am zweiten Advent in Schneeberg stattfindet.
Hunderte Mitglieder der Vereine ziehen dann auf den Platz ein und tausende säumen ihren Weg.

Am Fuße des majestätischen Schneebergs im Erzgebirge, Sachsen, reicht die Geschichte weit zurück. Im 15. Jahrhundert wurde Silber entdeckt, und diese Entdeckung führte zur Gründung der Bergstadt Schneeberg im Jahr 1471. Ein reger Bergbau begann, und die Stadt erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Im 16. Jahrhundert erreichte der Bergbau am Schneeberg seinen Höhepunkt. Die reichen Silbervorkommen lockten Bergleute aus der gesamten Region an, und Schneeberg wurde zu einem bedeutenden Zentrum des Bergbaus. Die Bergstadt florierte, und prächtige Bauten, wie das imposante Arnoldische Haus aus dem Jahr 1591, zeugten von der Wohlstandsepoche.

Doch die Zeiten änderten sich im 17. Jahrhundert. Der Dreißigjährige Krieg und wirtschaftliche Probleme führten zu einem Niedergang des Bergbaus. Die Stadt und die Region wurden von den Auswirkungen des Krieges gezeichnet, und viele Bergwerke mussten schließen.

Eine Wiederbelebung erlebte die Region im 19. Jahrhundert. Der Bergbau konzentrierte sich nun auf andere Rohstoffe wie Uran und Flussspat. Die Industrialisierung prägte die Gegend, neue Technologien wurden eingeführt, und die Bevölkerungszahl stieg. Schneeberg wurde erneut zu einem Zentrum des Bergbaus und der Industrie.

Der Niedergang des Bergbaus im 20. Jahrhundert brachte Veränderungen mit sich. Viele Bergwerke schlossen, und die Region musste sich wirtschaftlich neu orientieren. Trotzdem blieb die Geschichte des Bergbaus tief im kulturellen Erbe von Schneeberg verankert.

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde verstärkt in den Tourismus investiert. Der Schneeberg, einst geprägt durch Bergbau und Industrie, öffnete sich nun für Besucher, die das reiche kulturelle Erbe der Bergstadt erleben wollten. Wanderwege führen zu alten Bergwerksstätten, und Aussichtspunkte bieten atemberaubende Blicke auf die malerische Landschaft des Erzgebirges.

Heute ist Schneeberg nicht nur ein Ort der Geschichte, sondern auch ein lebendiges Zeugnis für den Wandel. Der Bergbau hat seine Spuren hinterlassen, und die Stadt hat sich zu einem attraktiven Reiseziel für Touristen entwickelt, die die Geschichte und die Schönheit des Erzgebirges erkunden möchten und wie uns der Vorsitzende der Vereine noch erzählte: Es gibt wieder Bestrebungen den Bergbau neu zu beginnen. Mit Zinn oder Feldspat könnte ein Neubeginn machbar sein.

Unsere „Tour de Weihnachtsmarkt“ führte uns schon zu vielen Märkten. Diese möchten wir euch vorstellen:

Schloss Merode
Quedlinburg Weihnachtsmarkt
Ludwigsburg Barockweihnachtsmarkt
Michelstadt

Esslinger Weihnachts- und Mittelaltermarkt
Ravennaschlucht Weihnachtsmarkt
Burg Hohenzollern Weihnachtsmarkt
Nördlinger Weihnachtsmarkt
Ulmer Weihnachtsmarkt
Augsburger Weihnachtsmarkt
Innsbruck Weihnachtsmarkt
Neu-Um Mittelalterlicher Weihnachtsmarkt
Rothenburg ob der Tauber
Michelstädter Weihnachtsmarkt
Wernigerode
Wulfenbüttel
Braunschweig
Schloss Bückeburg (bei Minden)
Erfurter Weihnachtsmarkt
Goslar – Waldweihnacht mitten in der Stadt
Stuttgart
Hildesheim
Wiesbaden – Sternschnuppenmarkt (sehr empfehlenswert)
Dortmund – der größte Weihnachtsbaum der Welt*
Dortmund – Lichterweihnachtsmarkt ((sehr empfehlenswert)
Hameln
Velen Waldweihnachtsmarkt
Schloss Benrath*
Weihnachtsmärkte Münster*

                                      * Schöne Weihnachtsmärkte – keine Reiseempfehlung

Jürgen Rode

Jürgen Rode

schreibt seit 2012 für Womo.blog und hat das Camping-Gen quasi mit der Muttermilch bekommen.
Im Wohnwagen seit 1968, später mit dem eigenen Zelt, im Auto durch Norwegen mit viel Regen, musste anschließend ein Kastenwagen her, der 1990 selbst ausgebaut wurde, mit den Kindern kam der Wohnwagen und als die fast aus dem Haus waren, 2012 die erste Weißware.

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3 Antworten

  1. So ein schöner Beitrag über meine Heimatstadt. Das Anlichteln am Samstag vor dem 1.Advent ist umgeschriebenes Gesetz.
    Am 2.Advent ist dann der Höhepunkt mit dem Lichtelfest. Hier gibt es auch ein kulturelles Programm, den Bergaufzug, das Turmblasen usw. Ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle.

  2. Vielen Dank für diesen tollen Bericht über die wunderschöne Bergstadt Schneeberg. Diese ist nicht nur zur Weihnachtszeit eine Augenweide!
    Kleine Anmerkung nur noch zur Bergbau Geschichte. Die wichtigste aller Schneeberger Bergbauepochen wurde in ihrem Bericht leider nicht erwähnt. Es handelt sich hierbei um den Kobalterz Bergbau. Aus besagtem Erz wurde das weltberühmte Kobaltblau hergestellt. Dieses wurde bspw. auf den Delfter Fliesen und dem Meißner Porzellan zum Einsatz gebracht.

    Alles in allem aber eine tolle Seite welche Sie hier betreiben. Großes Lob hierfür.

    Glück auf!

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